Bei Machandel ist im Dezember 2020 der dritte Band der Sauerland-Team-Reihe von Martina Schäfer erschienen. (Band 1, der im Original 1999 erschien, ist seit Oktober 2024 in einer Neuausgabe wieder erhältlich.) In den Krimis des Sauerland-Teams bekommt die Polizei ungewöhnliche Unterstützung: Eine Wen-Do-Trainerin und ihre Geliebte, eine Polizei-Fotografin, arbeiten aktiv mit an den Ermittlungen.
Ausgeraubte Zeitungs-Kioske sind nichts, was Kommissar Kerkbaum als besonders schwierige Fälle betrachten würde. Jedenfalls so lange nicht, bis die Besitzerin eines der Kioske ermordet wird.
Schnell merkt Kerkbaum, daß mehr hinter diesem Mord steckt. Und in diesem Mehr scheint die lokale Frauenszene eine Rolle zu spielen. Wer könnte da besser ermitteln als Polizeifotografin Rosi Kramer und ihre Liebste, die Wen-Do-Trainerin Jana Müller?
Was diese beiden allerdings herausfinden, ist erschreckend – und reicht Jahrzehnte zurück, zu Ereignissen, die viele Leute lieber vergessen würden, nahe jener stillgelegten Fabrik, deren Kamin wie eine Mahnwache oben auf dem Berg steht.
Die Lösung des Falles eilt, denn es gibt weitere Tote. Und niemand weiß, wer noch auf der Liste des Täters steht ...
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Unsere Meinung:
Wie schon bei Steinherz ist es auch bei diesem Roman der Reihe um das Sauerland-Team (oder das Sauerland-Trio, um es mit ihrem Boss zu sagen) zum Verständnis nicht zwingend notwendig, die beiden anderen Bände gelesen zu haben (auch wenn in diesem Band ab und auf Geschehnisse in den Romanen In Teufels Küche und Steinherz (ursprünglich erschienen als Herz aus Stein) erinnert wird und es natürlich hilft, zu wissen, was mit und zwischen den Hauptpersonen bisher geschehen ist). Die Hauptkapitel werden wie in Steinherz in der Ich-Form von Jana Müller erzählt. Zu Beginn lästern sie noch über den Dritten im Bunde des Sauerland-Trios, der vom Chef zurechtgestutzt und mit einem einfachen Fall betraut wurde. Nur erweist sich, daß dieser Fall alles andere als einfach ist und die vermeintlich schnelle Aufklärung als Teil einer Raubserie sich als vorschnell erweist. Wenig später stecken die drei tief in einem Labrinth aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Südamerika, Lesben- und Schwulen-Projekten und einigem mehr. Ja, die Wurzeln für diesen Mordfall (und es bleibt nicht der einzige Mord) reichen bis in Deutschlands bisher braunste Zeiten zurück, aber Motiv und Täter bewegen sich vollkomen in der Gegenwart (und vielleicht ein wenig in der Zukunft). Anders als bisher wächst sogar Schmidtken diesmal kriminalistisch über sich hinaus (und muß dafür fast mit seinem Leben bezahlen). Auch wird er nicht mehr schwarz-weiß charakterisiert, die Kolleginnen und mit ihnen die Lesenden erhalten diesmal auch einen Blick hinter seine Macho-Fassade. Was nebenbei auch ein wenig zur Unterhaltung beiträgt. Der Fall zieht nach und nach immer weitere Kreise und entwickelt sich von einem aus dem Ruder gelaufenen Kiosk-Überfall zu einer Morserie, die irgendwie mit einer ebenso weit verzweigten wie untereinander verfeindeten Familie und einer ebenso geschichtsträchtigen wie skurilen Seniorenresidenz und ihren Betreibern zusammenhängt. Oder wie es die Erzählerin ausdrückt: Da mordet sich jemand durch die Familie. Als das Sauerland-Trio endlich dahinterkommt, worum es bei allem geht, kommt es zu einem Wettlauf mit der Zeit. Insgesamt ist dies für uns ein sehr gut geschriebener, ebenso spannender wie unterhaltsamer Kriminalroman mit diversen Drehungen und Wendungen sowie einigen Rückblicken in deutsche Geschichte und kleinen Seitenhieben auf das Szene-Umfeld, in dem die Geschichte spielt und auf jeden Fall ein Tip.
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