Bei Machandel ist im April 2023 nach längerer Pause mit Große Damen, große Steine nach Mord im Pfahlbaudorf, Die Speerschleuder, Der Wessex-Dolch und Wüstenväter der fünfte und leider letzte Band von Martina Schäfers Krimi-Reihe im Archäologen-Milieu um Professor Joachim Drahm und Doktor Johanna Schmid auch als geducktes Buch erschienen. Diese Serie sollte laut Verlag Kriminalromane bringen, die Vergangenheit und Gegenwart mörderisch gut miteinander verbinden und zudem einen gehörigen Schuß Frauen-Power aufweisen. Die Arbeit der Archäologen hat viel Ähnlichkeit mit der Kriminalistik. Beide müssen akribisch selbst kleinste Spuren auswerten, um Rückschlüsse auf Vergangenes ziehen zu können. Es lag also nicht allzu fern, Archäologen auch als Detektive arbeiten zu lassen. Morde sind schließlich nichts Neues - weder gegen Ende der Steinzeit noch heutzutage. Allerdings haben sich inzwischen die Ansichten darüber, was wirklich einen Mord wert ist, etwas geändert.
Johanna Schmid möchte nur das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: Eine Besichtigung archäologischer Stätten in Frankreich für die Planung ihrer nächsten Exkursion und gemeinsame Wohnmobil-Ferien mit ihrer englischen Freundin Scarlett.
Doch was entspannte, genüßliche und manchmal auch lehrreiche Zweisamkeit werden sollte, wird unversehens durch reisende Esoterik-Damen, gestohlene Museumsschätze und einen verschwundenen Archäologen zu einem Ereignis ganz anderer Art.
Interessant, findet Scarlett.
Aber ob das auch die französischen Gendarmen so sehen?
Mit einer Karte der Bretagne am Anfang des Buches Mit einer kurzen Selbstvorstellung der Autorin am Ende des Buches
Weitere Informationen zur im Buch wichtigen Jungsteinzeit (Neolithikum) gibt es auch auf der Wikipedia-Webseite
Die Originalausgabe ist im September 2019 als ebook erschienen.
Sollte das gedruckte Buch nicht im Buchhandel erhältlich sein, kann es auch (nur zur Lieferung nach D) meist portofrei direkt beim Verlag bestellt werden.
Direkt beim Verlag bestellen: Bei Machandel leider nicht möglich
Unsere Meinung:
Nachdem Prof. Drahm im vierten Band in die Wüste gereist war, während Dr. Schmid im Institut Stallwache hielt, zieht es in diesem Band Dr. Schmidt zusammen mit ihrer englischen Freundin aus dem Wessex-Dolch in die Bretagne, während Prof. Drahm in diesem leider letzten Band der Reihe durch Abwesenheit glänzt. (Wo ungefähr sich die Handlung abspielt, können die Leser einer relativ groben Karte der Bretagne am Anfang des Buches entnehmen, in der der das betreffende Gebiet markiert ist.)
Daneben gibt es wieder eine zweite spannende Handlung vor Ort, die vor mehr oder weniger 6.000 Jahren spielt und bei der ein Mord auf einer heiligen Insel mit heiligen Steinen und (möglicherweise doch nicht ganz so) heiligen Frauen rekonstruiert und aufgeklärt werden muß. Neugierig macht auch, was sich hinter einem Satz in den Kapitelüberschriften verbirgt, der im ersten Kapitel mit Leise dümpelte der Körper ... beginnt und mit jedem Kapitel erweitert wird.
Interessant und spannend ist auch immer, zu sehen, ob und wie wie die Ereignisse in der fernen Vergangenheit mit der Gegenwart zusammenspielen (oder auch zusammenpassen), obwohl sich die Gegenwartshandlung neben einem verschwundenen französischen Mediaevisten und dem Auftauchen eines menschlichen Skelettes unter einer Kapelle diesmal vor allem auf die Fortsetzung der Handlung aus vorhergehenden Bänden konzentriert. Etwa auf (tunlichst vermiedene) Begegnungen mit der ein klein wenig exzentrischen Matriarschatsverfechterin Dr. Adele Breitmann-Freitag, die Wiederholungslesern bereits aus dem ersten Roman bekannt sein dürfte und die Wiederaufnahme der Handlung aus einem nicht ganz abgeschlossenen vorhergehenden Roman.
Ganz nebenbei erhalten die Leser noch Einblicke in den Wissenschaftsbetrieb und erfahren das eine oder andere über das Leben in der fernen Vergangenheit (in den Überschriften als vor mehr oder weniger 6.000 Jahren eingegrenzt). Ja, die Autorin läßt die Zeit um 4.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung wieder richtig lebendig werden. Und da das Ganze noch mit einer guten Portion Humor und Selbstironie geschrieben ist, macht das Lesen einfach nur Spaß.
Insgesamt war dieser fünfte und leider auch letzte Band der Archäologie-Krimis für uns ein ebenso spannender wie unterhaltsamer Krimi auf zwei Zeit- und Erzählebenen und auf jeden Fall wieder ein uneingeschränkter Tip. Außerdem ist es sicherlich ein guter Anreiz, sofern noch nicht geschehen, auch die weiteren Bände dieser Reihe zu lesen.
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