Bei mdv, dem Mitteldeutschen Verlag, erscheint im März mit dem litauischen Roman 2084 eine literarische Dystopie in der digitalen Zukunft als deutsche Erstveröffentlichung. (Gleichzeitig ist dies auch der erste Roman der Autorin, der in deutscher Sprache erscheint.) In ihrem laut Verlag erschütternd gegenwärtigen Zukunftsbild erzählt Une Kaunaite von Liebe und Verlust im digitalen Zeitalter, von der Sehnsucht nach Nähe in einer Welt totaler Vernetzung und stellt die große Frage: Was geschieht, wenn Künstliche Intelligenz beginnt, unsere Geschichten zu schreiben – und unser Leben zu beenden?
In einer Zukunft, in der die Menschen ihr Leben fast vollständig in der virtuellen Realität Bubble verbringen, verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit, Erinnerung und Programmierung.
Kajus, ein stiller Beobachter in dieser künstlich perfektionierten Welt, versucht zu begreifen, was noch echt ist.
Sind es Gefühle, Freundschaft oder nur Datenströme, die das simulierte Glück am Laufen halten?
Aus dem Litauischen übersetzt von Markus Roduner
Deutsche Erstausgabe
Broschiertes Buch / Paperback
mitteldeutscher verlag Paperback ca. 260 Seiten ISBN 978-3-96311-990-3 Preis: 20,00 € (D) - 20,60 € (A) ~ 32,00 SFr (CH)
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Unsere Meinung:
Wie der Titel schon vermuten läßt, ist dieses Buch eine Variation des Romans 1984 von George Orwell. Hinzugemischt werden Elemente der Matrix-Filme, Online-Game-Welten und die (a)sozialen Medien. Das Buch folgt vor allem dem Leben von Kajus (was nur einer seiner Namen ist, wie die Leser im Laufe der Geschichte erfahren). Wie ein Großteil der Bevölkerung seines nicht weiter bezeichneten Landes lebt er zwei Leben - eines in der Realität und eines in einer Online-Welt, dem Universum oder der Bubble. Zu Beginn des Buches arbeitet er als Psychologe mit der Aufgabe, potentielle Selbstmörder davon zu überzeugen, weiterzuleben. Wenig später wird er auf eigenartige Weise vom Unternehmen, das die Bubble betreibt, abgeworben und arbeitet von nun an im realen Herzen der künstlchen Welt. Zusammen mit ihm gewinnen die Leser Einblicke, wie die Menschen, die inzwischen einen großen Teil ihres Lebens in der Bubble verbringen, weil es halt normal ist, gegängelt und manipuliert werden. Und daß die Besitzer der Bubble ihren Einfluß nicht nur auf die künstliche Welt beschränken, muß auch Kajus erkennen, dessen Leben in der realen Welt zum großen Teil von seiner persönlichen KI abhängig geworden ist. Nach und nach werden erst Zweifel in Kajus wach und er beginnt über seine beiden Lebenswelten genauer zu betrachten und darüber nachzudenken. Nach und nach und in die Geschichte und Erlebnisse von Kajus in beiden Welten eingebunden, erfahren die Leser mehr über den Menschen Kajus und seine Vergangenheit, wobei die Ebenen auch immer weder durchbrochen werden. Zusammen mit den Lesern muß er erkennen, wie weit der Einfluß der Bubblebetreiber wirklich reicht. Aber erst am Ende des Buches wird deutlich, wie sinister die Bubble und ihre Hintermenschen wirklich sind. Ausgehend von den heute bereits existierenden Dingen wie Gamewelten, die (a)sozialen Medien und diverse Smart-Funktionen, die das Leben vermeintlich bequemer machen zeigt das Buch, wozu es führen kann, sein oder ihr Leben "Smart"-Umgebungen zu überlassen und es in virtuellen Welten zu verbringen. Wie es gute alte Science Fiction schon immer getan hat, werden die heutigen Zustände und ihre möglichen (Fehl-)Entwicklungen in einer Erzählung dargestellt. Durch den langsamen Aufbau wird das Buch wahrscheinlich nicht alle Leser ansprechen, aber für alle, die sich darauf einlassen in neue Welten und Zivilisationsstrukturen (oder Fehlentwicklungen) einzutauchen und sich zum Nachdenken anregen lassen, ist es ebenso wie für uns ein Tip.
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