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bücherbar Die neuen Harten

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Buch 2

Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 06.03.2026

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Hallo,

und weiter geht's mit den Neuen Harten für diese Monate ...

Viel Spaß!

Ihr & Euer Bücherbar-Team

 

März 2026 Autor/Herausgeber/Reihe:

Carsten Gansel:

Titel:

Ausradiert?

Wie die Literatur der DDR verschwand

2.
Originaltitel:
Originaltitel
Erscheinungsland 
Original:
D
Erscheinungsjahr 
Original:
2026

 

Warum wird der Westen im Osten bis heute als dominant und übergriffig empfunden?

Als die DDR unter­ging, kam es fast über Nacht zur De­mon­tage der ge­samten ost­deutschen Literatur.

Millionen Bücher wurden ver­nichtet, Ver­lage und Be­triebe für wenige D-Mark ver­äußert, Biblio­theken ge­schlossen.

Die Bewertung des schrift­stellerischen Schaffens und der literarischen Werke – wie auch jener der bil­denden Kunst oder des Theaters – er­folgte nicht nach ästhetischen Maß­stäben, son­dern nach ideo­lo­gischen.

Autorinnen und Autoren wurden pau­schal als staats­nah oder -fern ein­ge­teilt und aus dem kol­lek­tiven Ge­dächt­nis ver­bannt.

Das hatte trau­ma­tische Folgen, nicht nur für die Dif­fa­mierten.

Carsten Gansel zeigt in diesem Buch wa­rum der Westen im Osten bis heute als domi­nant und über­griffig emp­funden wird. Er wirbt in seinem Buch für einen an­deren Blick auf die DDR-Litera­tur und die Ost­deutschen, in­klusive einer Re­ha­bi­li­tierung.

Das Buch stellt einige der abgewickelten ostdeutschen Autoren und ihre Werke ausführlich vor: von Christa und Ger­hard Wolf bis Uwe John­son, von Wer­ner Bräu­nig bis Gerti Tetzner, von Bri­gitte Rei­mann bis Fritz Ru­dolf Fries, von Irm­traud Morg­ner bis Ul­rich Plenzdorf, von Volker Braun bis Jenny Er­pen­beck.

 

 

Mit 40 schwarz-weißen Abbildungen (z.T. hist. Fotos)
Mit Leseempfehlungen im Anhang

 

Die Webseite des Verlages wird leider nicht mit allen Browsern korrekt dargestellt. Der Link zum Buch kann daher, besonders bei älteren Browsern, eventuell nur eingeschränkt funktionieren.

 

 

 

 

Originalausgabe

TiP!

 Carsten Gansel: Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand

Gebundenes Buch / Hardcover

 

  Lesungstermine:

Mittwoch, 9. April 2026, 19:00 - 21:00 Uhr
Rosa-Luxemburg-Stiftung
Eva-Mamlok-Bibliothek Straße der Pariser Kommune 8A D-10243 Berlin -barrierefreier Zugang- Eintritt/Teilnahmegebühr: 3,- €

Donnerstag, 10. April 2026, 18:00 Uhr
Stadthaus Cottbus
Erich Kästner Platz 1
D-03046 Cottbus
Anmeldung erbeten unter kontakt@fda-brandenburg.de

 

Reclam Buch
ca. 350 Seiten
Format ca. 14x22cm
ISBN 978-3-15-011566-4
Preis:
28,00 € (D) - 29,50 € (A)
40,00 SFr (CH)
Direkt beim Verlag bestellen:

reclam

Unsere Meinung:

Als die DDR mit großem Medien- und Politik-Trara in die Bundesrepublik eingemeindet wurde, gab es im Einigungsvertrag auch den schönen Artikel 35, der unter anderem besagte, daß die kulturelle Substanz in den übernommenen Bundesländern keinen Schaden nehmen sollte. Mehr noch: Die Erfüllung der kulturellen Aufgaben einschließlich ihrer Finanzierung sei zu sichern. Naja, Papier ist geduldig und die Wirklichkeit sah nach Übernahme der Treuhand durch das Finanzministerium völlig anders aus. Im Westen konnten wir das miterleben, als das DDR-Fernsehen über Satellit ausgestrahlt wurde und damit im ganzen Westen Deutschlands empfangbar wurde. Allerdings konnten die DDR-Fernsehmacher ihre neu gewonnene redaktionelle ind journalistiscne Freiheit nicht lange präsentieren, denn dazu waren sie schließlich gar nicht fähig. Und so wurde wenige Tage später das neue unabhängige DDR-Fernsehen abgeschaltet und durch von natürlich erfahrenen und fähigen Führungskräften aus den Rundfunkanstalten der BRD geführte Regionalsender ersetzt, die der ARD angeschlossen wurden. Das war auch ím Westen Deutschlands mitzuerleben. Was dagegen weitgehend im Verborgenen ablief, war die Vernichtung, Auslöschung und "Delegitimierung" der kompletten Literatur-Landschaft der DDR, die auch heute noch anhält. Der Autor zeigt auf wie in der Bundesrepublik bis heute die Manipultation der öffentlichen Meinung gegenüber der DDR, ihrer Menschen, ihrer Literatur und ihren Autoren betrieben wird. Wie ein künstlich erzeugtes einseitiges Bild ins Gesellschaftsgedächtnis geprägt wird ("Erinnerungspolitik") und stellt dem seine eigenen Erinnerungen und die anderer Bewohner der DDR, vor allem ihrer Autoren - mit Zitaten und Fakten unterlegt - gegenüber. (Mit der Beinflussung des öffentlichen Gedächtnisses hat auch man im Westen Deutschlands übrigens einige Erfahrung, so ist beispielsweise auch der einst beliebte Bürgerpräsident Gustav Heinemann aus der westdeutschen Erinnerung so gut wie getilgt.) Aber das Buch stellt dem im Westen Deutschlands gehegten "Feindbild" nicht eine ebenso unwirkliche Friede-Freude-Eierkuchen-DDR gegenüber, sondern zeigt auch die negativen Seiten der DDR-Kulturpolitik auf. Er zeigt die Folgen der Unterdrückung und Bespitzelung auf die Autoren in der DDR auf, die aber nach der Übernahme durch die BRD keinesfalls besser wurde nur subtiler. Im Großteil des Buches wird auch anschaulich gemacht, daß Literatur und Autoren nicht abseits einer Gesellschaft existieren, sondern nur als Teil davon existieren können und sich mit ihr entwickelt haben. Und daß die Entwicklungen von Gesellschaft und Sprache, und damit auch der Literatur, in beiden Teilen des heutigen Deutschlands auseinanderlaufende Entwicklungen durchgemacht haben. Was uns beim Lesen dieses Buches wirklich erschreckt hat, war mit welcher Brutalität mit Büchern und Buchmachern umgegangen wurde - im Land der Dichter und Denker. Aber fangen wir vorne an. Das Buch beginnt mit einer etwa zehnseitigen Einleitung unter der Überschrift "Was will das Buch?", in der der Autor beschreibt, wie es zu diesem Buch gekommen ist und daß er keinesfalls eine Rechnung mit »dem Westen« offen hat. Der Autor lehrte unter amderem seit 1995 an einer westdeutschen Universität und kennt die Verhältnisse und die Sichtweisen in Ost und West. Auch geht es nicht um Schuldzuschreibungen gegenüber "dem Westen" oder andere Pauschalisierungen. Und so erlaubt er es sich als überparteiischer Erzähler ein Gesamtbild von oben von oben (quasi eine Luftaufnahme der gesamtdeutschen literarischen Landschaft auf die und versucht zu zeigen, daß die Literatur in der DDR nach dem Krieg auf eine Demokratische Republik setzte und dabei auch der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit Thema der Bücher war, also nicht nur, wie in westdeutscher Politik- und Medien-Lesart immer wieder behauptet, eine staatshörig und konformistisch. Das Buch will ein mit Fakten und Zitaten von Autoren belegtes Gegengewicht zur Delegitimierung der DDR-Literatur durch westdeutsche Politik und Medien bieten und zeigen, wie sich persönliches und staatliches propagiertes Erinnern unterscheiden. Dabei soll die Geschichte der DDR und ihrer Literatur nicht wie heute weitgehend üblich von ihrem Ende betrachtet und bewertet werden. Das ist für uns zwar nicht wirklich gelungen, schadet dem Buch als Ganzes aber nicht. Daß der Autor Wissenschaftler ist, wird teilweise durch die Sprache des Buches deutlich, die mit Fachausdrücken oder Fremdwörtern durchsetzt ist, was uns weniger gefallen hat. Für uns ist dies teilweise auch ein sehr erschreckendes Buch, denn obwohl man auch im Westen mitbekommen hat, wie die westdeutsche Poltik, Wirtschaft und nicht zuletzt die Treuhand die DDR abgewickelt hat, waren uns einige der hier geschilderten Praktiken nicht bekannt. Etwa wie mit der Literaturlandschaft in der DDR umgegangen wurde, nämlich die tonnenweise Vernichtung von etwa 80 Millionen Büchern aus DDR-Produktion, darunter auch Klassiker und Werke von Nobelpreisautoren, die auf Äckern abgeladen und untergepflügt oder in Stollen vermüllt und aus dem Verkehr gezogen wurden (und nur durch den persönlichen Einsatz eines westdeutschen Pfarrers vor der Vernichtung gerettet werden konnten). Verlage wurden für einen symbolischen Betrag von einer Mark an westdeutsche Firmen verschachert, die die Konkurrenz dann auch umgehend abwickelte, so daß von einer lebendigen Verlagslandschaft nur noch einige wenige Verlage übrig geblieben sind. Genauer gesagt, bestanden 2009 von den 78 DDR-Verlagen nur noch ganze acht und von der gesamten deutschen Buchproduktion werden in den ostdeutschen Bundesländern noch ganze 2,1 Prozent erzeugt. Aber am Ende zeichnet der Autor dann doch ein hoffnungsvolles Bild. Das Buch folgt in seinen acht Kapiteln vor allem der Entwicklung der Literatur in der DDR, stellt einige Autoren der DDR und ihre Werke in ihrem gesellschaftlichen Umfeld vor, gibt Einblicke in ihr Leben und Schaffen - darunter auch Kinder- und Jugendbuch-Autoren und -Klassiker - und gibt Leseempfehlungen, diese abgewickelte Literaturwelt neu kennenzulernen. Unterstützt wird der Text durch historische Fotographien aus der deutsch-deutschen (Literatur-)Geschichte. Insgesamt war dies für uns ein ebenso erschreckendes wie ausgesprochen interessantes, spannendes Buch und auf jeden Fall ein Tip.

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