Bei Kunstmann erscheint im Januar der zweite Band der phan- tastischen Southern Reach-Trilogie von Jeff VanderMeer, rund um eine geheime Regierungsorganisation, die Expeditionen in eine sogenannte Area X schickt, die herausfinden sollen, was hinter der Grenze zu dieser Zone geschieht.
Aber keine der Expeditionen, die Southern Reach in das Gebiet entsandte, um Erklärungen für das Unerklärbare zu finden, hatte bisher Erfolg. Die meisten der Expeditionen endeten in Kata- strophe. Bis auf wenige Ausnahmen kamen letztendlich alle Mitglieder ums Leben - und die, die überlebten und - wie auch immer - zurückkehrten, verhielten sich äußerst merkwürdig.
Seit ein mysteriöses "Ereignis" vor mehr als dreißig Jahren das betreffende Gebiet erschütterte, ist es von einer unsichtbaren Grenze umgeben. Niemand scheint genau zu wissen, was dahinter geschieht, aber es gibt Gerüchte von einer sich ver- ändernden und die Reste der menschlichen Zivilisation über- wuchernden Natur, einer Natur, die makellos und bezaubernd aber auch verstörend und bedrohlich ist. Die Zeit, um Antworten zu finden, wird knapp, denn Area X scheint sich immer schneller auszudehnen.
In Auslöschung konnte der Leser den Bericht der Biologin über ihre Sicht der Ereignisse während der zwölften Expedition lesen. Diese bestand aus vier Frauen: einer Anthropologin, einer Land- vermesserin, einer Psychologin und eben jener Biologin. Im Zuge dieses Berichtes ahnte der Leser bereits, daß die offzielle Wahrheit - und die im Journal beschriebenen Dinge - nicht unbedingt die ganze Wahrheit und nichts als die Wirklichkeit und Wahrheit waren. Ja, daß die Sicht ihrer Umgebung und deren Interptretationen bei den Expeditionsteilnehmern durch hypno- tische Konditionierung verändert worden waren.
Im zweiten Buch werden die Ereignisse um Southern Reach aus einer anderen Perspektive beleuchtet. Southern Reach befindet sich in Auflösung. John Rodriguez, der mehr oder weniger als neu ernannter Kopf der Organisation zur regionalen Verwaltung geschickt wurde, muß sich - mal ganz abgesehen von internen Widerständen - durch eine Reihe frustrierender Verhöre, einen Berg verschlüßelter Notizen und Stunden verstörender Videoauf- nahmen arbeiten, um die Geheimnisse von Area X zu lüften.
Aber jede neue Entdeckung konfrontiert ihn mit bestürzenden Wahrheiten - über sich selbst und die Organisation, mit der er nicht allein durch seinen Treueschwur verbunden ist …
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Michael Kellner.
Nicht ganz einfach, etwas zu diesem Buch zu schreiben, ohne zuviel zu verraten, denn diese Serie lebt nicht von vordergründiger Action sondern hinter- und untergründigem Grusel - neben einer Menge von Irreführungen, sowohl was die handelnden Personen als auch die Leser betrifft. Womit schon gesagt ist, daß Leser mit Vorliebe für klare Abläufe und Action mit diesen drei Büchern wahrscheinlich nicht allzuviel anfangen können. Im ersten Buch hat der Leser die geheimnisvolle Area X kennengelernt - durch die Aufzeichnungen der Biologin, die an der bisher letzten Expedition ins relativ Unbekannte teilgenommen hatte. Relativ, denn immerhin hatte es zuvor bereits elf (?) Expeditionen gegeben. Nach und nach erfuhr der Leser, daß diesen Aufzeichnungen nicht 100% zu trauen war, denn die Teilnehmer der Expedition waren hypnotisch konditioniert worden. In diesem zweiten Buch ändert sich die Perspektive und auch der Erzähler. Diesmal ist es kein Tagebuch, vielmehr läßt der Erzähler den Leser an den Gedanken von John Rodriguez, der sich warum auch immer Control nennen läßt, teilhaben. Durch den Filter der Southern Reach-Station erhält der Leser diesmal einen Blick von außen auf die Area X. Es kommen nach und nach weitere Informationen aus der Vergangenheit der beteiligten Personen, Institutionen und auch des Gebietes ans Licht. Aber auch in diesem Buch muß der Leser bald erkennen, daß Rodriguez nicht unbedingt 100% Herr seiner Gedanken und Aktionen ist. Dieses Buch lebt von dem Versuch "Controls", in Southern Reach Fuß zu fassen, den Dingen entegegen aller Widerstände, Irreführungen und Intrigen auf den Grund zu kommen und dem mehr oder minder gespannten Verhältnis zur Biologin. Zudem treten bei den diversen Verhören Unstimmigkeiten zutage, die daran zweifeln lassen, daß die Biologin unverändert zurückgekehrt ist - ja ob es überhaupt die echte Biologin ist? Auch was Southern Reach und die Expeditionen angeht, erfährt der Leser, daß einiges ganz anders ist, als im ersten Buch geschildert. Es gibt einige Längen und einige Rückblicke in die Karrieren- und Lebensgeschichte von Control nebst Familie fanden wir recht überflüßig, aber ingesamt bleibt eine gewisse Spannung erhalten, die am Ende dieses Buches nach einer dramatischen Ausweitung in einem gewagten Sprung ins Ungewisse mündet. Ob im dritten Buch daraus Gewissheiten werden? Wir sind schon gespannt auf letzten Teil, der hoffentlich die letzten Geheimnisse von Area X lüftet. Was uns beim ersten Buch bereits in den Sinn gekommen ist, wird durch die eine oder andere Anspielung in diesem Buch bestätigt - der Autor hat nicht nur die Ausgangslage daran angelegt sondern verweist zumindest einmal ziemlich deutlich auf die Vorlage des Picknicks am Wegesrand. Die Übersetzung ist auch beim zweiten Buch trotz der kurzen Zeit zwischen Original und deutschsprachiger Version gut lesbar. Wenn man den Schutzumschlag entfernt, sind die Bücher passend zum Inhalt der Reihe wie schwarze Kladden (Tagebücher?) gestaltet, wobei dieses Buch nur den weißen Schriftzug N° 2 auf dem vorderen Umschlag trägt, der hintere Umschlag ist völlig unbeschriftet. Auch dieser zweite Teil ist für uns auf jeden Fall absolut lesenswert und wie Band 1 ein Tip (für alle, die für diese Art von Geschichten offen sind).
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